Accountsperrung · Google

Ihr Google-Kontowurde gesperrt.

Bei Google trifft eine Sperre selten nur einen Dienst: Gmail, Drive, Fotos, Kalender und Play hängen am selben Konto. Der Verlust wiegt entsprechend schwer.

Die Situation bei Google

Eine Sperrung des Google-Kontos ist besonders einschneidend, weil zahlreiche Dienste daran hängen: E-Mails, gespeicherte Dokumente, Fotos, Kontakte, gekaufte Apps und teils auch geschäftliche Kommunikation. Betroffene verlieren mit einem Schlag Zugang zu Daten, die sie über Jahre angesammelt haben, und häufig auch die Möglichkeit, sich bei Diensten Dritter anzumelden, die eine Google-Anmeldung nutzen. Gerade wegen dieser Reichweite spielt der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit hier eine besonders große Rolle. Hinzu kommt ein datenschutzrechtlicher Aspekt: Nach Art. 20 DSGVO haben Sie ein Recht auf Datenübertragbarkeit.

Die Rechtslage

Begründungspflicht

Plattformbetreiber dürfen Accounts nicht ohne spezifische Begründung sperren. Ein bloßer Verweis auf die Gemeinschaftsrichtlinien ist nicht ausreichend — der konkrete Verstoß muss benannt werden.

OLG Hamburg, 29.06.2022 – 15 W 32/22

Anhörungspflicht

Nutzer müssen über die Maßnahme informiert werden, eine Begründung erhalten und die Möglichkeit zur Stellungnahme mit anschließender Neubescheidung bekommen. Eine sofortige Sperrung ohne vorherige Anhörung ist rechtswidrig.

BGH, 29.07.2021 – III ZR 179/20

Verhältnismäßigkeit

Nicht jeder Regelverstoß rechtfertigt eine dauerhafte Sperrung. Bei einer dauerhaften Deaktivierung ist zudem eine vorherige Abmahnung erforderlich — fehlt diese, ist die Sperrung unzulässig.

BGH, III ZR 179/20; OLG Dresden, 08.03.2022 – 4 U 1050/21

Automatisierte Entscheidungen

Eine vollautomatisierte Neubescheidung innerhalb weniger Minuten erfüllt nicht das Anhörungserfordernis. Findet keine Prüfung der individuellen Umstände statt, liegt ein eigenständiger Rechtsverstoß vor.

OLG München, 12.04.2022 – 18 U 6473/20

Digital Services Act

Plattformen müssen nach Art. 17 DSA klare Informationen über Moderationsentscheidungen geben und nach Art. 20 DSA ein wirksames Beschwerdesystem vorhalten. Wird beides nicht erfüllt, kommen Entschädigungsansprüche nach Art. 54 DSA in Betracht.

Digital Services Act

Ihr Weg bei Google

1

Betroffene Dienste und Sperrhinweis dokumentieren

Halten Sie fest, welche Dienste konkret nicht mehr erreichbar sind (Gmail, Drive, Fotos, Play) und sichern Sie den Sperrhinweis sowie alle E-Mails von Google per Screenshot.

2

Wiederherstellung über Google beantragen

Nutzen Sie das offizielle Wiederherstellungsformular für gesperrte Konten und schildern Sie den Sachverhalt sachlich. Dokumentieren Sie Antrag und Antwort.

3

Datenzugang nach DSGVO geltend machen

Unabhängig vom Streit über die Sperre haben Sie nach Art. 15 und Art. 20 DSGVO Ansprüche auf Auskunft und Herausgabe Ihrer Daten in einem übertragbaren Format. Das sichert zumindest Ihre Inhalte.

4

Verhältnismäßigkeit angreifen

Wenn der Verlust E-Mails, Dokumente oder geschäftliche Kommunikation betrifft, ist die Sperre besonders eingriffsintensiv. Lassen Sie prüfen, ob sie verhältnismäßig ist.

Art. 20 DSA
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IT- & Medienrecht
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Häufige Fragen zu Google

Google nennt keinen konkreten Grund für die Sperre — muss es das?

Nach Art. 17 DSA sind Plattformen verpflichtet, klare und spezifische Informationen über die Gründe einer Maßnahme zu geben. Ein pauschaler Hinweis auf Richtlinienverstöße ohne Benennung des konkreten Sachverhalts genügt dem regelmäßig nicht.

Komme ich wenigstens an meine E-Mails und Dateien?

Unabhängig vom Streit über die Kontosperre bestehen datenschutzrechtliche Ansprüche: Nach Art. 15 DSGVO können Sie Auskunft und nach Art. 20 DSGVO die Herausgabe Ihrer Daten in einem gängigen, maschinenlesbaren Format verlangen.

Ich nutze das Konto geschäftlich — spielt das eine Rolle?

Ja. Je stärker Sie auf das Konto angewiesen sind, desto gewichtiger ist der Eingriff und desto strenger sind die Anforderungen an die Verhältnismäßigkeit. Bei geschäftlicher Nutzung kommen zudem Schadensersatzansprüche in Betracht.

Mein YouTube-Kanal ist mit dem Konto verknüpft — hängt beides zusammen?

Häufig ja, weil YouTube-Kanäle an Google-Konten gebunden sind. In solchen Fällen sollten beide Maßnahmen gemeinsam betrachtet und angegriffen werden.

Wie schnell sollte ich handeln?

Zeitnah. Je früher Sie die Sperre dokumentieren und Ansprüche geltend machen, desto besser lassen sich Daten sichern und die Wiederherstellung durchsetzen.

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