Accountsperrung · YouTube

Ihr YouTube-Kanalwurde gesperrt.

Bei YouTube hängt oft die gesamte Existenz am Kanal: Reichweite, Monetarisierung und Archiv. Drei Verwarnungen genügen — doch nicht jede Verwarnung ist rechtmäßig.

Die Situation bei YouTube

YouTube arbeitet mit einem Verwarnungssystem: Drei Verwarnungen innerhalb von 90 Tagen führen zur Löschung des Kanals. Hinzu kommen Urheberrechtsverwarnungen über das Content-ID-System, das automatisiert und fehleranfällig ist. Für Creator ist die Sperre häufig existenzbedrohend, weil Monetarisierung, Abonnentenstamm und das gesamte Video-Archiv betroffen sind. Da der Kanal an ein Google-Konto gebunden ist, kann eine Sperre außerdem weitere Google-Dienste beeinträchtigen.

Die Rechtslage

Begründungspflicht

Plattformbetreiber dürfen Accounts nicht ohne spezifische Begründung sperren. Ein bloßer Verweis auf die Gemeinschaftsrichtlinien ist nicht ausreichend — der konkrete Verstoß muss benannt werden.

OLG Hamburg, 29.06.2022 – 15 W 32/22

Anhörungspflicht

Nutzer müssen über die Maßnahme informiert werden, eine Begründung erhalten und die Möglichkeit zur Stellungnahme mit anschließender Neubescheidung bekommen. Eine sofortige Sperrung ohne vorherige Anhörung ist rechtswidrig.

BGH, 29.07.2021 – III ZR 179/20

Verhältnismäßigkeit

Nicht jeder Regelverstoß rechtfertigt eine dauerhafte Sperrung. Bei einer dauerhaften Deaktivierung ist zudem eine vorherige Abmahnung erforderlich — fehlt diese, ist die Sperrung unzulässig.

BGH, III ZR 179/20; OLG Dresden, 08.03.2022 – 4 U 1050/21

Automatisierte Entscheidungen

Eine vollautomatisierte Neubescheidung innerhalb weniger Minuten erfüllt nicht das Anhörungserfordernis. Findet keine Prüfung der individuellen Umstände statt, liegt ein eigenständiger Rechtsverstoß vor.

OLG München, 12.04.2022 – 18 U 6473/20

Digital Services Act

Plattformen müssen nach Art. 17 DSA klare Informationen über Moderationsentscheidungen geben und nach Art. 20 DSA ein wirksames Beschwerdesystem vorhalten. Wird beides nicht erfüllt, kommen Entschädigungsansprüche nach Art. 54 DSA in Betracht.

Digital Services Act

Ihr Weg bei YouTube

1

Kanalstatus und Verwarnungen sichern

Screenshots des Kanalstatus, aller Verwarnungen und der zugrunde liegenden Videos. Zusätzlich Analytics-Daten und Monetarisierungsnachweise exportieren.

2

Einspruch im YouTube Studio einlegen

YouTube Studio → Kanalstatus und Funktionen → jeweilige Verwarnung → Einspruch. Bei Urheberrechtsverwarnungen ist zusätzlich der Gegendarstellungsweg zu prüfen.

3

Begründung und Beschwerdeweg nach DSA einfordern

Fordern Sie unter Berufung auf Art. 17 und Art. 20 DSA eine konkrete Begründung und den Zugang zum internen Beschwerdesystem. Setzen Sie eine Frist von 14 Tagen.

4

Bei Existenzgefährdung Eilverfahren prüfen

Wenn der Kanal Ihre Einkommensquelle ist, kann eine einstweilige Verfügung der schnellste Weg zur Wiederherstellung sein. Lassen Sie die Dringlichkeit prüfen.

Art. 20 DSA
Beschwerdeverfahren erzwingbar
IT- & Medienrecht
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Häufige Fragen zu YouTube

YouTube hat meinen Kanal nach drei Verwarnungen gelöscht — ist das rechtmäßig?

Nicht automatisch. Jede einzelne Verwarnung muss rechtmäßig sein und hätte begründet sowie anfechtbar sein müssen. War schon eine Verwarnung unberechtigt, kann die darauf gestützte Löschung unzulässig sein. Zudem gilt der Verhältnismäßigkeitsgrundsatz.

Was kann ich gegen eine unberechtigte Urheberrechtsverwarnung tun?

Bei Content-ID-Ansprüchen und Urheberrechtsverwarnungen gibt es ein eigenes Gegendarstellungsverfahren. Ist der Anspruch unberechtigt — etwa bei zulässigem Zitat oder eigenem Material — sollte er dokumentiert und angegriffen werden, da unberechtigte Verwarnungen eigene Ansprüche auslösen können.

Meine Monetarisierung wurde deaktiviert, der Kanal aber nicht gesperrt. Ist das angreifbar?

Auch die Deaktivierung der Monetarisierung ist eine Moderationsentscheidung, die nach Art. 17 DSA zu begründen ist und über das interne Beschwerdesystem angegriffen werden kann. Bei erheblichen Einnahmeausfällen kommen Schadensersatzansprüche in Betracht.

Betrifft die Kanalsperre auch mein übriges Google-Konto?

Das ist möglich, da der Kanal an ein Google-Konto gebunden ist. In diesem Fall sollten beide Maßnahmen gemeinsam angegriffen werden, weil der Verlust weiterer Dienste die Verhältnismäßigkeit zusätzlich in Frage stellt.

Wie schnell muss ich reagieren?

Zügig. Für Einsprüche gelten teils enge Fristen, und je aktueller die Maßnahme, desto besser die Beweislage. Bei existenzieller Betroffenheit ist ein Eilverfahren zu prüfen — hier zählen Tage.

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